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Adhrara Die Gefahr der Macht
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Die Gefahr der Macht


Der Prolog

„Atair bitte küsse mich, ich will sicher sein, dass ich nicht träume. Es ist so schön hier, viel zu schön, um wahr zu sein. Bitte, nimm mich auch ganz fest in deine starken Arme.“ Liebend gern folgte Atair dieser Bitte. Auch er wollte herausfinden ob er in der Realität verweilte. Demonstrativ und verschmitzt lächelnd, drehte sich Solie zur Seite, als Atair seine Adhara an sich drückte und innig küsste. „Sagt mir, wenn ihr fertig seid“, grinste Solie. Liebevoll umarmte Adhara mit ihrer freien Hand das Mädchen und drückte es an sich. Einige Minuten standen die drei nun engumschlungen in dem großen und wunderschönen Palastpark von Baidua. Glücklich sah Adhara in das Gesicht von Atair. „Haben wir es wirklich geschafft?“, fragte sie mit leuchteten Augen. „Sind wir jetzt tatsächlich frei?“ Adhara sah sich um. Sie waren umringt von Dienstboten, welche sich dezent weggedreht hatten, als sich das Paar küsste. „Ja“, gab sich Adhara selbst die Antwort, da Atair und Solie den Moment schweigend genossen. Der strahlend blaue Himmel und der laue Wind, der mit den Blättern der vielen Bäume spielte, wirkte wie ein Traum. Der Park hatte auf-wendig angelegte Wege, die mindestens eine Kutschenbreite hatten. Große Kastanien und ähnliche Bäume spendeten Schatten. Kunstvoll geschnittene Sträucher und kleinere Bäume standen dazwischen. Skulpturen in allen Größen waren zu bewundern. Kleine Wasserwege durchzogen den ganzen Park und luden zu einer gemütlichen Boots-fahrt ein. Spontan fasste Adhara Solie an den Händen und tanzte mit ihr auf dem breiten Weg im Sonnenschein. „Solie, mein Kind“, rief sie dabei froh, „lass diesen Traum auf dich wirken und hoffen wir, dass er nie zu Ende geht.“ Langsam schlenderten die drei weiter und wurden vom Personal begleitet. Die Dienstboten waren von der Herrschaft beauftragt worden, für das Wohl der kleinen Familie zu sorgen und darauf zu achten, dass sie sich in dem Areal nicht verirrten. Schwäne und Enten kamen herangeschwommen, als sich die drei dem Ufer näherten. Die Tiere wussten, dass es für sie immer Futter gab. Eine Dienstbotin zog aus ihrer Tasche einen kleinen Beutel hervor und entnahm ihm einige Brotstücke. Diese warf sie zu den Enten und Schwänen ins Wasser und gab den Beutel an Solie weiter. Mit Hingabe fütterte das Mädchen nun die Tiere und beobachtete dabei, wie sie sich um die Krumen stritten. Solie blieb fasziniert am Ufer stehen und eine Dienstbotin blieb bei ihr, während die anderen weiterschlenderten. Adhara hakte sich glücklich bei Atair ein und versicherte ihm: „In meinem bisherigen Leben habe ich noch nie etwas Schöneres gesehen. Hier ist es so herrlich.“ Solie war inzwischen den beiden nachgelaufen und rief: „Mama, Papa, hier gefällt es mir und ich möchte für immer hierbleiben! Da will ich bleiben!“ Adhara nahm ihre Tochter in Empfang und fragte sie grinsend: „Was meinst du, sollen wir am Nachmittag Venice besuchen? Sie hat zu unserem Glück so viel beigetragen.“ „JA“, war Solies begeisterte Antwort, „mir fehlt Susanna. Ich möchte ihr so viel erzählen.“ Von weitem sah man, dass jemand vom Gesinde heraneilte, sich verbeugte und feierlich mitteilte: „Werte Gäste, der Mittagstisch wäre für Euch gedeckt. Die Herrschaft lässt sich entschuldigen und bittet Euch, das Mahl allein einzunehmen. Bitte, wenn Ihr mir folgen wollt, so geleite ich Euch zu Tisch.“ Wenig später betraten sie einen kleinen liebevoll eingerichteten Raum. Auf blumigen Stofftapeten hingen aufwendig genähte Gobelinbilder, welche den Frühling darstellten. Durch die geöffneten Fenster drang der frische Wiesenduft herein, welcher sich mit dem Duft der Speisen vereinte. Während die drei von den ausreichend vorhandenen Speisen naschten, unterhielten sie sich über die schönen Eindrücke, welche sie im Park erleben durften. Als der ohnehin nicht sehr große Hunger gestillt war, wollten sie Venice aufsuchen. Diese bewohnte derzeit mit ihrer Tochter Susanna in einem anderen Trakt des Palastes ein großes Zimmer. An ihrem neuen Haus, welches ihr als Belohnung von der Herrschaft versprochen wurde, wurde noch gebaut. Bevor die drei jedoch satt und zufrieden den Raum verlassen konnten, betrat ein Diener der Herrschaft diesen. Er verbeugte sich huldvoll und sagte: „Ich bin beauftragt, Frau Adhara von Yvain und ihre Tochter Solfina zur Herrschaft zu geleiten.“ Verwundert wechselten Adhara und Atair einen Blick, bevor Adhara mit Solie an der Hand dem Boten folgte. Obwohl es Atair sehr seltsam vorkam, dass er nicht dabei sein durfte, dachte er nicht weiter darüber nach. Während die beiden Frauen hinter dem Boten herliefen, schlenderte Atair mit einigen Bediensteten durch die Gänge des Schlosses. Er betrachtete die schmucken Gemälde, welche zahlreich an den Wänden hingen. Er entdeckte dabei die Portraits der bereits verstorbenen Herrschaft und der zurzeit regierenden. Neugierig las er von jedem einzelnen den darunter vermerkten Namen halblaut vor. Als er „Katharina von Baidua“ gelesen hatte, trat erschrocken ein Bediensteter an ihn heran und raunte ihm leise zu: „Psst, werter Atair von Schedar, diesen Namen darf man nicht laut aussprechen. Nur Herrscherin oder Herrin sind erlaubt.“ ~ * ~ Zur gleichen Zeit eilten Adhara und Solie hinter dem Boten her, welcher sie in einen Trakt des Schlosses führte, den sie noch nicht kannten. Vor einer prunkvoll verzierten Tür, vor der zwei Wachen standen, hielten sie an und der Bote deutete ihnen, zu warten. Unbemerkt konzentrierte sich Adhara auf die Personen in dem Zimmer. Sie spürte ganz deutlich Baiduas Aura und die von einigen Dienstboten. Da sie aber wusste, dass sie die Aura der Herrscherin nicht fühlen konnte, da diese ebenfalls von Gianmurun abstammte (Band 1-Das Frühstück mit der Herrscherin), nahm sie an, dass sie anwesend war. Nachdem der Bote geklopft hatte, betrat er den Raum. „Euer Hoheit, Frau Adhara von Yvain und ihre Tochter Solfina von Yvain!“, kündigte er die beiden laut an und winkte sie heran. Nun wurde Adhara ein wenig unruhig, denn der Bote benutzte die Anrede nur für einen Teil der Herrschaft. Zaghaft betrat sie nun mit Solie den großen Raum und blickte in das strahlende Gesicht von Baidua. „Adhara, die schönste aller Frauen und Solfina die bezaubernde Schönheit“, begrüßte er die beiden mit überschwänglicher Freundlichkeit, „Ihr seid ohne Zweifel eine Bereicherung für ganz Baidua. Darf ich Euch etwas anbieten?“ Er deutete dabei auf ein kleines Wägelchen, welches mit allerlei verschiedenen Flaschen vollbeladen war. Adhara wusste genau, was der Herrscher mit seinen Komplimenten vorhatte, dazu brauchte sie auch ihre besondere Gabe nicht. Der Herrscher überhäufte die beiden mit Lobeshymnen in jeder Tonart und je länger diese anhielten, desto unruhiger wurde Adhara. Nur Solie schien die Schmeicheleien zu genießen, sie himmelte Baidua regelrecht an und dachte verträumt: „Wäre das schön, die neue Herrin zu sein.“ Wie sollte sie das auch erkennen, wo sie gerade mit ihren ersten Hormonen zu kämpfen hatte. Aber sie war erst vierzehn Jahre alt und noch ein junges unerfahrenes Kind – viel zu jung für Baiduas Vorhaben. Nachdem Adhara von den zahlreichen Fruchtsäften gekostet und sich dabei viel Zeit genommen hatte, sprach nun der Herrscher freundlich und bestimmt: „Ihr beiden Hübschen werdet mich jetzt in mein Schlafgemach begleiten.“ Adhara machte gute Miene zum bösen Spiel. Sie verbeugte sich tief vor dem Herrscher und sagte: „Es ist uns eine große Ehre, die Auserwählten zu sein, doch mein Herrscher, ich gehöre schon einem anderen Mann. Zusätzlich mache ich mir Sorgen um das Leben meiner Tochter. Sie ist noch sehr jung und unerfahren in solchen Dingen. Wenn sie Euch nun enttäuscht, dann...“ „Aber nein, wo denkt Ihr denn hin“, antworte Baidua lüstern, „das sind doch nur Gerüchte.“ Er zog die beiden bereits mit seinen Blicken aus, bevor er beiläufig erwähnte: „Ich könnte Euch von Eurer Bindung leicht befreien, dann hättet Ihr keinerlei Verpflichtung mehr.“ Adhara durchzuckte der nächste Schock und es lief ihr kalt den Rücken hinunter. „Das wird nicht nötig sein, Euer Hoheit“, beeilte sie sich zu sagen, „wenn Ihr es wünscht, so bin ich Eure Maid.“ Baidua nickte wohlwollend, denn er hatte keine andere Antwort erwartet. Solie hat diese kleine Erpressung nicht wahrgenommen, welche beinahe ihren Wahlvater das Leben gekostet hätte. „Solfina, meine zuckersüße Maid“, wandte sich Baidua an Solie, „heute ist es an der Zeit, dir etwas Neues beizubringen. Du wirst dich immer an deinen Herrscher von Baidua erinnern, denn er macht dich zur Prinzessin.“ Verzweiflung machte sich in Adhara breit, denn sie wusste nur zu gut, was seine Worte bedeuteten. „Heuchler“, dachte sie, „das kann er auch nur der jungen Solie einreden. Er ist so hinterlistig und berechnend. Ich bin seinem Plan, mit mir ins Bett zu gehen, schon einmal entwischt (Band 1 Das Frühstück mit der Herrscherin). Jetzt versucht er es mit uns beiden und ich kann ihm nicht entkommen, weil er genau weiß, dass ich Solie niemals allein lasse. Ich will auf keinen Fall mit ihm ins Bett und der Gedanke, dass er mit Solie...“ Das konnte und wollte sie sich nicht vorstellen. Adharas Gedanken kreisten und kamen zu keiner Lösung. „Wie kann ich es nur hinaus-zögern, ohne dass ich Baidua erzürne? Oh, Himmel, hilf mir! Was kann ich nur tun?“ Baidua riss ungeduldig die prunkvollen Doppelflügeltüren auf, so dass die beiden Wachen sofort strammstanden und mit ihren Lanzen einmal kurz auf den Boden schlugen. Während des Herrschers Kopf mit Testosteron gefüllt und auch Solie die Aufregung anzusehen war, durchzuckte Adhara erneut ein furchtbarer Gedanke. „Wir müssen über den Gang gehen! Was ist, wenn wir von der Herrscherin gesehen oder gar im Bett erwischt werden... dann bin ich tot!“ Sie huschten über den Gang und Adhara blickte sich verstohlen um. „Wenn es Atair erfahren sollte, will er mich sicher nicht mehr haben. Ich hoffe, er kommt nicht dahinter, denn ohne ihn und seine Liebe kann und will ich nicht leben. Warum fällt mir nicht ein, wie ich mit Solie aus dieser kniffligen Lage entkommen könnte?“ „Kommt, kommt, Ihr Lieben“, trieb Baidua die beiden zur Eile an, „wir sind gleich am Ziel.“ Der Herrscher konnte es kaum erwarten, dass sich die beiden entblätterten. „Ich weiß nicht, vor wem ich mich mehr fürchte, vor dem Erreichen des Schlafgemachs oder dass uns die Herrin sieht. Wenn es schon geschehen muss, dann geht es hoffentlich schnell vorbei.“ Adhara betrachtete Solie, welche mit Hingabe hinter Baidua herlief. „Ihr Gesicht wird immer röter, sie ist erregt“, dachte sie. „Ich bin mir aber nicht sicher, ob sie weiß, was auf sie zukommt. Dass ihr erstes Mal ausgerechnet mit dem lüsternen Herrscher geschehen soll, das schmerzt mich am meisten.“ ~ * ~ Atair hatte mittlerweile seine Besichtigung beendet und blickte neugierig jeden Gang entlang, den er passierte. Ein mulmiges Gefühl überkam ihn. „Seltsam“, dachte er, als er seine beiden Mädels nirgends sehen konnte, „was haben die denn solange zu besprechen?“ ~ * ~ Baidua kam seinem Ziel immer näher. Mit Schwung öffnete er die Tür zu seinem Schlafgemach und trat zur Seite. „Bitte, meine schönsten aller Frauen, tretet ein in mein bescheidenes Gemach“, winkte er Adhara und Solie hinein und stolzierte hinterher. Die beiden Wächter, welche ihnen gefolgt waren, blieben vor der Tür stehen und Baidua verschloss diese schnell. „Bescheiden hat er gesagt“, dachte sich Adhara und schüttelte den Kopf, „noch nie habe ich solch einen Raum gesehen.“ Sie beobachtete, wie Solie fasziniert die prunkvoll gestalteten Decken-fresken betrachtete. Mit dem vergoldeten Stuck, welcher feine Muster aufwies, hatten sich die Künstler wahrlich übertroffen. Solie kam aus dem Staunen nicht heraus und meinte überwältigt. „Hier würde es mir auch gefallen.“ Adhara sagte nichts darauf, sondern sah sich in dem Gemach weiter um. Es fiel ihr sofort auf, dass in diesem Raum nur der Herrscher schlief. Die schweren Vorhänge von den großen, fast raumhohen Fenstern waren mit einer dicken Kordel zur Seite gebunden. Mit Freude erblickte sie in dem taghellen Raum einige Diener, die anwesend waren. „Ah, die haben uns jetzt gesehen“, frohlockte sie in Gedanken sofort, „vielleicht lässt Baidua jetzt seinen Plan fallen.“ Doch Baidua flüsterte einem Diener etwas zu, klatschte danach in die Hände und die Bediensteten verließen das Zimmer. Adharas Enttäuschung war unbeschreiblich. Sie bedachte Baidua, welcher mit dem Rücken zu ihnen bei einem zierlichen Beistelltischchen aus dunklem Holz stand, mit ein paar bitterbösen Blicken. „Kommt her, Ihr lieblichen Geschöpfe“, forderte er die beiden auf. Solie war verzückt und begeistert, als sie in den kunstvoll geschliffenen Glasschalen Süßigkeiten in allen Variationen zu sehen bekam. Die Sonnenstrahlen, welche sich in den Schalen brachen, zauberten bunte Muster in die unmittelbare Umgebung. Auf einem weiteren Tischchen waren Getränke hergerichtet, welche aber nicht nur aus harmlosen Säften bestanden. „Aber, aber, meine hübsche Solfina, du brauchst nicht so schüchtern zu sein“, säuselte der Herrscher, als sich Solie etwas zierte. Er umfasste das zierliche Mädchen von hinten an den Hüften und presste sich an seinen Rücken. „Ihr beide könnt Euch nehmen, so viel ihr wollt.“ Nur kurz zuckte Solie zusammen, so dass Baidua zuckersüß meinte: „Du brauchst dich doch vor deinem Herrscher nicht zu fürchten, ich tu dir nichts.“ „Ha ha“, dachte sich Adhara wütend, „ich könnte ihn erwürgen! Das macht er absichtlich, da er genau weiß, dass ich nichts dagegen tun kann. Solie zerfließt ja förmlich in seinen Armen. Ich könnte vor Wut zerspringen, aber das hilft Solie gar nicht.“ Jedem der im Zimmer Anwesenden wurde aus einem anderem Grund heiß. In Adhara kochte der Zorn, während Solie von dem festen Körperkontakt ihres Herrschers noch röter geworden war. „Meine Zunge ist schon ganz trocken“, bemerkte nun Baidua und trat auf das Getränketischchen zu. „Ein Gläschen zu Trinken wird uns allen drei gut tun!“ Er schenkte von seinem besten Wein drei Gläser voll und Adhara deutete Solie, dass sie ihn nicht annehmen sollte. Doch das Mädchen getraute sich nicht, abzulehnen und nahm einen vorsichtigen Schluck davon. Baidua trank seinen Wein in einem Zug aus und stellte das Glas ab. Bei ihm schien der Alkohol sofort zu wirken, denn sogleich nahm er den beiden Frauen die Gläser ab, stellte sie hastig beiseite und nahm beide überschwänglich bei den Händen. Er führte die zwei zu seinem Himmelbett, so dass Adharas Herz wie wild zu schlagen begann. Baidua schlug die Decke zurück und setzte sich erwartungsvoll auf den Bettrand. „Alles ist für Euch zwei bereit“, sprach er und belegte die beiden mit seinem lüsternen Blick. „Müssen wir uns jetzt ausziehen, mein Herrscher?“, fragte Solie naiv und Adhara spürte ihr Herz bis zum Hals klopfen. Sie sah sich der Tatsache gegenüber, dass sich keine Option offenbaren würde, außer es geschehe ein Wunder. Aber an solche glaubte Adhara nicht. „Natürlich, liebliche Solfina“, grinste Baidua voller Vorfreude, „jetzt ist es soweit. Adhara, mein Sonnenschein! Auch für Euch wird es Zeit, Eure Kleider abzulegen.“ „Wozu soll das gut ein?“, dachte sich Adhara grimmig, „er hat mich doch schon die ganze Zeit mit seinem Blick entblößt. Am liebsten würde ich weglaufen. Aber dann müsste ich Solie ihrem Schicksal überlassen und außerdem, wohin sollte ich denn fliehen?“ Solie hatte inzwischen zögerlich begonnen, die Knöpfe ihrer Bluse zu öffnen, wobei ihr Baidua amüsiert zusah. Die Schüchternheit des Mädchens spornte seine Lust noch mehr an. Adhara zierte sich ebenfalls, um Zeit zu gewinnen, dieses ließ jedoch der Herrscher bei ihr nicht gelten. „Bei Euch geht das doch schon ein wenig schneller, liebste Adhara“, forderte er sofort. ~ * ~ Je länger Atair auf seine beiden Mädels wartete, desto schlimmer wurde sein mulmiges Gefühl. Er lief nervös die Gänge entlang und fragte Bedienstete, welche ihm begegneten: „Bitte, habt Ihr meine Frau und Tochter gesehen?“ Aber alle zuckten nur mit den Schultern und schüttelten verneinend ihre Köpfe. Atair hetzte nun durch weitere Gänge und hielt bei einem großen Fenster an, welches den Blick in einen Teil des Gartens freigab. Er traute seinen Augen nicht, als er an einem Brunnen Katharina, die Herrscherin, mit einigen Zofen und Dienerinnen sitzen sah. Mit bösen Ahnungen stürmte er im Garten auf die Herrin zu. „Werter Atair“, begrüßte diese ihn amüsiert, „Retter meiner Söhne, Ihr wirkt so gehetzt. Vielleicht solltet Ihr einen ruhigen Nachmittag mit mir am Brunnen verbringen.“ „Euer Hoheit“, keuchte Atair nach Atem ringend, „wie gerne würde ich dieses Angebot annehmen, doch ich bin auf der Suche nach meiner Adhara und Solie. Vor einiger Zeit wurden sie zur Herrschaft gerufen und da dachte ich, dass auch Euer Hoheit dabei sein würde.“ Das milde Lächeln verschwand augenblicklich von dem Antlitz der Herrscherin. „LEIBWACHE ZU MIR!“, schrie sie so unvermittelt auf, dass alle erschrocken zusammenzuckten. „Werter Atair!“, wandte sie sich an ihn, „Ihr begleitet mich!“ Katharina hatte es plötzlich sehr eilig und raffte ihr bodenlanges Kleid hoch, um schneller laufen zu können. Ihr langes blondes Haar wehte in alle Richtungen und ihre Augen funkelten vor Zorn. Einige Zofen hielten sich erschrocken die Hände vor den Mund, denn sie fürchteten die Wutausbrüche ihrer Herrin. Die Wache und Atair hatten Mühe, mit Katharina Schritt zu halten. Sie rannte durch die Gänge, denn sie kannte ihr Ziel ganz genau. Das Personal, welches zufällig unterwegs war, sprang erschrocken zur Seite. Von Weitem sah sie, wie ein Diener in das Schlafgemach ihres Gemahls hineinhuschte. Wenige Augenblicke später stellte sich ihr mutig die Wache in den Weg, welche vor Baiduas Tür stand. „Euer Hoheit“, begannen die Männer zaghaft, als sie in ihr grimmiges Gesicht blickten, „wir haben den Befehl, niemanden hineinzulassen.“ Die beiden wurden immer verlegener, als sich Katharinas Miene noch mehr verfinsterte. „DER BEFEHL IST AUFGEHOBEN!“, schnaubte die Herrin vor Wut, so dass die Wache erschrocken zur Seite sprang. Katharina stieß die Tür mit einem lauten Knall auf und rannte mit Atair hinein. Baidua zuckte kurz zusammen, denn er hatte sehr großen Respekt vor seiner Gemahlin. „Meine werte Gemahlin“, säuselte er mit einer Unschuldsmiene, „Ihr besucht mich in meinem Gemach?“ „Wo sind sie?“, herrschte Katharina ihren Gemahl an, als sie Adhara und Solie im zerwühlten Bett nicht liegen sah. „Was meint Ihr, Liebes?“, tat Baidua verwundert, „ich bin gerade von einem Schläfchen aufgestanden.“ Aber die Herrin kannte ihren Angetrauten sehr genau und durchsuchte den gesamten Raum. Kein noch so kleiner Winkel oder mögliche Verstecke waren vor ihren Blicken sicher. Nur den Dienstbotendurchgang inspizierte sie nicht. Als sie schließlich ein Kleidungsstück fand, fauchte sie Baidua wild an: „Wenn du den beiden ein Ungemach bereitet hast...“ Sie beendete den Satz nicht und der Herrscher fragte scheinheilig: „Aber meine Liebste, von wem sprecht Ihr?“ „Treibe es nicht zu weit, mein Lieber“, funkelte sie ihn böse an und hielt ihm ihren Fund vor die Nase, „du wirst mir doch nicht erzählen wollen, dass das dir gehört.“ Beide wussten genau, wer es zuletzt getragen hatte und Katharina verbarg es vor weiteren Blicken unter ihrer eigenen Bluse. Atair konnte es nicht erkennen, da die Herrin es mit ihrem Körper verdeckt hatte. „Er wird doch nicht...“, durchzuckte ihn eine böse Vermutung und sein Magen krampfte sich zusammen. Bei dem für ihn schrecklichen Gedanken blickte er den Herrscher erschrocken an. Dieser erwiderte den Blick und dachte grimmig: „Er war es also, welcher meinen schönen Plan verhindert hat. Das schreit nach Rache. Irgendwann kriege ich Euch und dann habe ich Eure Schönen für mich allein.“ Wutschnaubend, weil sie zu spät gekommen war, rannte Katharina aus dem Gemach und ließ Atair einfach zurück. Dieser war etwas verwirrt und als er in das feindselige Gesicht des Herrschers blickte, eilte er der Herrscherin hinterher. „Der Dienstboteneingang wird sofort verschlossen“, hallte der wütende Befehl durch den Gang, „sollte noch jemand dahinter verborgen sein, sollen sie Tag und Nacht jammern und wimmern. Das macht dann sicher lüstern.“ Atair lief es erneut kalt über den Rücken. „Das nennt man Härte“, dachte sich Atair, als ihn erneut ein furchtbarer Gedanke durchzuckte, „was ist, wenn meine Lieben da drinnen sind? Egal was passiert sein sollte, verlieren will ich sie schon gar nicht.“ Vorsichtig öffnete er die Zwischentür, um Nachschau zu halten, bevor die Wache den Befehl ausführte. Aber zum Glück waren weder ein Dienstbote noch seine Lieben darin verborgen. „Keiner da und ich mache mich auch schnell davon, sonst werde ich noch eingesperrt“, dachte Atair, „aber darauf kann ich liebend gern verzichten. Mir hat die eine Nacht im Verlies gereicht (Band 1 Begegnung mit Baidua).“ Schnell eilte er hinaus und rannte zurück zu seinem Zimmer. Er hoffte, dass er dort Adhara und Solie antreffen würde. Als er in den langen Gang einbog, blieb er erschrocken stehen. Er sah, wie die Herrscherin mit ihrer Leibwache soeben aus seinen Räumlichkeiten herausgekommen war. Atair hatte das Gefühl, dass sein Herz aussetzte. „Oh nein“, durchfuhr ihn erneut der Schock, „sie wird sich doch nicht gerächt haben und sie...“ Dieser Gedanke raubte ihm fast den Verstand. Stocksteif stand er sekundenlang im Flur und beobachtete, wie Katharina forteilte. Die Angst um seine beiden Mädels ließ ihn losstürmen, doch kurz vor der Tür hielt er erneut an. Er fürchtete sich vor dem, was er vorfinden würde. „Bitte, bitte“, flüsterte er flehend, als er vorsichtig die Tür einen Spalt öffnete, „bitte, lass sie am Leben sein!“ Atair richtete sich auf und atmete tief durch, bevor er durch die kleine Öffnung hineinspähte. Augenblicklich fiel der schwere Stein von Atairs Herzen ab, als er Adhara und Solie unversehrt und bekleidet im Raum entdeckte. Die beiden hielten sich in den Armen und weinten. Langsam ging Atair auf sie zu und umarmte beide glücklich. Adhara löste ihre Arme von Solie und umschlang nun Atair. „A... ach, Lie...bling“, schluchzte sie dabei, „i...ich li...lie...liebe nu..nur dich! Bi...bi...bitte, da... das mu...musst du mi...mir glau...glauben.“ Die Anspannung, die Angst um Solie und die Machtlosigkeit, gegen die sie nichts tun konnte, lösten sich nun. Ihre Fassung und Beherrschung war verloren, als sie Atair um den Hals gefallen war. Atair hielt sie fest umschlungen und drückte sie zärtlich an sich. „Ich liebe dich auch! Bitte beruhige dich. Ich bin so froh, dass ihr wohlauf seid.“ Während Adhara um ihre Fassung kämpfte und ihr Gesicht in Atairs Schulter vergrub, meinte Solie: „Es ist uns ja nichts passiert. Wir haben nur ganz kurz nackt im königlichen Himmelbett gelegen. Irgendwie war das kribbelig, als plötzlich ein Diener hereingestürzt kam und schrie `Euer Hoheit, Gefahr kommt´, da habe ich mich erschreckt. Aber sonst fand ich es richtig aufregend.“ „A...ach Kind“, sagte Adhara aufseufzend, „für den Herrscher sind wir nur Spielzeug, aber für die Herrin sind wir eine Gefahr.“ Sie blickte nun Atair unglücklich an und berichtete weiter, „wir wissen, dass nicht mehr passiert ist, aber leider weiß das die Herrin nicht. Wütend stürmte sie herein und warf mir mit funkelten Augen mein Hemd zu. Bevor ich noch etwas sagen konnte, verließ sie das Zimmer schon wieder. Baidua hat uns doch dazu gezwungen und ich konnte nichts dagegen tun.“ Erneut schluchzte sie auf, bevor sie weiter berichten konnte. „Als wir von den Bediensteten hektisch, in Decken gehüllt, hinausgezerrt wurden, habe ich mein Hemd nicht mehr mitnehmen können. Nun ist die Herrin bestimmt nicht gut zu sprechen auf uns und solange wir hier sind, wird es Baidua weiterhin versuchen. Er wollte mit Solie und mir gleichzeitig. Ich hätte zusehen müssen, wie er meine Solie schwängert...“ Wieder versagte ihr die Stimme, als sie sich das furchtbare Szenario vorstellte. Liebevoll streichelte Atair ihr durch das Haar. Auch ihm machte diese Vorstellung zu schaffen. „Ich will nicht die Konkubine (Geliebte) von Baidua werden...“, weinte Adhara in Atairs Armen und krallte ihre Hände in sein Hemd. „Bitte hilf uns, denn ich will auch die Herrin nicht zum Feind haben“, flehte sie, „ich hatte zuerst gedacht, dass sie mich mit Haut und Haar verschlingen würde, so böse war sie.“ „Ja“, dachte sich Atair, „das habe ich auch gedacht.“ „Ich verstehe eure Aufregung nicht“, meinte Solie kopfschüttelnd, „Baidua war doch so nett und höflich zu uns. Wir bekamen zu trinken und durften von Früchten und Süßigkeiten naschen, soviel wir wollten. Aber wehgetan hat er uns nicht.“ „Junges Frauenherz“, seufzte nun Atair, „das ist halt leicht zu begeistern.“ „Was wäre denn gewesen“, fragte nun Solie neugierig, „wenn ich vom Herrscher ein Kind bekommen würde? Bin ich dann eine Prinzessin und herrsche über das ganze Land statt der Herrin?“ „Eher nicht“, antworteten beide spontan und Atair klärte sie auf, „du würdest wahrscheinlich im Exil landen oder den Tod finden. Solie, man wird nicht Prinzessin, wenn man mit dem Herrscher ins Bett geht. Denkst du wirklich, dass die Herrscherin ihre Macht freiwillig an ein junges Mädchen abgibt, wo außerdem zwei Prinzen als Thronfolger da sind?“ „Atair, bitte, wir müssen von hier weg“, meinte Adhara fest. Sie hatte sich ein wenig gefangen und beschwor ihren Liebsten. „Bevor er uns wieder in die Falle lockt.“ „Nun, ich könnte ihn ganz ohne Waffen mit einem Hieb ins Jenseits befördern“, machte Atair einen Vorschlag, so dass Adhara erschrocken ihren Kopf schüttelte, „aber das wäre für uns nicht sehr hilfreich. Dann schickt uns die Herrin nackt und ohne Getränke in die Wüste. Also müssen wir uns etwas anderes überlegen, wie wir von hier wegkommen, ohne gleich wieder die Gejagten zu sein.“ In dieser Nacht machte Adhara kein Auge zu, da sie über eine Möglichkeit nachdachte, wie sie aus diesem Dilemma herauskommen konnten. Auch Atair hatte deswegen eine unruhige Nacht. Nur Solie träumte von den vielen Annehmlichkeiten, welche sie als Prinzessin haben würde.

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